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Die Welt und das Zusammenleben scheinen immer komplizierter zu werden, einige meinen sogar, es ist nicht (mehr) möglich. Viele von uns wollen Frieden, wollen, dass es feste Regeln gibt, die eingehalten werden von allen, dass man sich mit Respekt und Toleranz begegnet.
Die Frage, die sich viele stellen, lautet:
Haben wir eine gemeinsame Basis? Wenn ja, was ist es? Was ist das Gemeinsame für unser konkretes Tun? Gibt es einen Grundkonsens dafür, wie Menschen hier miteinander umgehen - egal woran sie ihr Leben ausrichten, was sie antreibt und trägt? Was könnte das sein? Auf welche Normen und Maßstäbe sind wir angewiesen, wenn wir friedlich zusammenleben wollen?
Die religiösen, philosophischen und humanistischen Vorstellungen von uns und unseren Freunden, manchmal gar in der eignen Familie, bei unseren Nachbarn und ArbeitskollegInnen, unseren Politikern und denen, die Verantwortung tragen, sind sehr unterschiedlich.
Dieser Frage ist Hans Küng intensiv nachgegangen und entwickelte die "Weltethos-Idee" 1990. 1993 gab ein großes Treffen (Parlament der Weltreligionen) mit 6.500 Vertretern von 125 Religionen, religiösen Traditionen und philosophischen Weltanschauungen in Chicago. Sie suchten nach Antworten und Aussagen zu den gemeinsamen Werten z.B. bei Konfuzius und im Buddhismus, im Judentum und Christentum, bei Seneca und bei Kant. Sie trugen die Kernaussagen zusammen über die Gemeinsamkeiten im ethischen Handeln der Menschen. Sie fassten sie in drei Prinzipien zusammen.
Das Prinzip der Menschlichkeit
Das Prinzip der Gegenseitigkeit
Die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau
Ich möchte hier jetzt auf das Prinzip der Gegenseitigkeit eingehen. Wir kennen alle den Satz an den Toilettentüren: "Verlassen Sie bitte den Ort hier so, wie Sie ihn vorzufinden wünschen" oder das Sprichwort: "Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu." Das Prinzip der Gegenseitigkeit - zwei Personen werden in eine Beziehung zueinander gesetzt.
Als ich zum ersten Mal die "Ausstellung Weltethos" gesehen habe, war ich verblüfft darüber, dass sich das Prinzip der Gegenseitigkeit wie ein roter Faden durch alle Religionen, Weltanschauungen, religiöse und philosophische Richtungen zieht. In der Bibel steht es beim Evangelisten Matthäus in der Bergpredigt:

Alles, was Ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen.
Darin besteht das Gesetz und die Propheten." Mt 7,12


Es wird die goldene Regel genannt. Das Prädikat golden ist eine Metapher für den besonderen Wert und ihre einzigartige Bedeutung. Sie ist nicht eine Regel unter vielen, die zusätzlich zu anderen Verboten und Geboten dazukommt. Sie wird verstanden als die Quintessenz und der Kern allen ethischen Handelns.
Wie es sich in anderen Religionen und religiösen Traditionen anhört, können Sie / könnt Ihr im Text des Monats nachlesen.
In den UN Headquarters in New York hängt ein großes Bild, das eine Menschenmenge zeigt. Jeder, jede trägt ein religiöses Attribut, hat eine andere Kleidung, eine andere Hautfarbe und spiegelt so die bunte Menschenfamilie auf unserer Erde wieder. In dieses Bild reingeschrieben ist die Goldene Regel aus dem Matthäusevangelium. Die UN-Vertreter bzw die Gestalter des UN Gebäudes werden sich etwas dabei gedacht haben.
Die Goldene Regel mit den verschiedenen Formulierungen (siehe Text des Monats) als gemeinsame Basis für menschliches und ethisches Handeln!!
Auch wir bilden eine kleine Weltgemeinschaft, die durch die Maueröffnung, die Attraktivität Berlins als Party-Hauptstadt, die Events und Großveranstaltungen, die Hochschulen und Konzernsitze und nicht zuletzt durch die Flüchtlinge sehr bunt geworden ist. Jeder von uns bringt seine Religion und seine je eignen Vorstellungen mit, wie das Zusammenleben und das Zusammenarbeiten gestaltet werden und gelingen kann.
Für mich ist es hilfreich, dass ich mir das Prinzip der Gegenseitigkeit als ein Grundkonsens immer wieder ins Gedächtnis rufen kann.

Uns allen einen goldenen Herbst mit der Goldenen Regel im Hinterkopf!

Jutta Blümel

** die "Ausstellung Weltethos" gibt es bis Anfang November im Kathedralforum an der St. Hedwigs-Kathedrale

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